Pilgernd unterwegs auf den Spuren der Heiligen Idda von Toggenburg
«Ich bin berufen meinen Weg zu gehen. Ich bin berufen heute loszugehn. Entscheidungskraft spür ich in meinem Bauch, das Herz mir sagt, was ich heut wirklich brauch.» Dieses Lied von Wolfgang Weiss begleitete die 7-köpfige Pilgergruppe der Pfarrei St. Felix und Regula durch die 3-tägige Pilgerwanderung von St. Margarethen (TG) nach Steg im Tösstal auf dem Schwabenweg, einem Teil des Schweizer Jakobswegs.
Die Anreise von Thalwil nach St. Margarethen verlief aufgrund einer verspäteten S-Bahn etwas turbulent und sportlich für die Pilgernden. Am HB mussten alle einen Sprint hinlegen, damit wir unseren Anschlusszug erwischten. Etwas ausser Atem und glücklich setzten wir unsere Reise in den Thurgau fort. Die Sonne strahlte und verhiess uns einen trockenen Pilgertag.
In St. Margarethen stärkten wir uns zuerst im Restaurant «Frohsinn» mit Kaffee und Gipfeli, danach erbaten wir himmlische Stärkung in der Kapelle St. Margarethen, die aus dem 17. Jhd. stammt. Alle Pilgernden versammelten sich um den Altar und erhielten eine Jakobsmuschel als Erkennungszeichen der Jakobspilger und einen Pilgerpass, in dem wir an verschiedenen Wegpunkten Pilgerstempel sammeln konnten. Claudia Haltenberger las uns den 1. Teil der Legende der Heiligen Idda vor und Tanja Haas stellte ein paar Impulsfragen, die zeigten, dass das Leben der Heiligen Idda mit unserem Leben vergleichbar ist. Beschwingt mit unserem Lied und unter dem Pilgersegen machte sich die Gruppe auf den Weg. Immer wieder nahmen wir uns unterwegs Zeit für kurze Pausen zur Erholung und Besinnung. Unser Weg führte der Murg entlang zuerst nach Münchwilen. Unterwegs stellten wir betroffen fest, dass die Murg über weite Strecken ausgetrocknet war. Der Weg führte durch weite Landschaften mit Weideland, Industrie- und Wohngebiete und entlang von lauten Schnellstrassen. Die unterschiedlichen Stimmungen und Geräusche nahmen wir wahr.
In Sirnach machten wir Mittagspause und stärkten uns mit einem leichten Essen und einem Impuls in der Pfarrkirche St. Remigius. Mit Vers 9 aus Psalm 116: «ich darf mein Leben vor dem Herrn führen hier im Land der Lebenden.» setzten wir unseren Weg fort und machten uns bewusst, wann wir uns lebendig fühlen. Gerne hätten wir unsere Mittagspause im Gasthaus «Engel» gemacht, in dem Pilger nach langer Tradition eine kostenlose Pilgermahlzeit erhalten, die von der Bürgergemeinde Sirnach übernommen wird, aber auch Engel machen Betriebsferien.
Weiter führte unser Weg nach Oberwangen, wo wir in der barocken Kapelle St. Martin auf einem Hügel wieder eine Pause einlegten. Nach dem Vorbild des Heiligen Martin teilten wir miteinander unser Proviant und stärkten uns für das letzte Wegstück bis Fischingen. Dieses führte uns auf einem schmalen und stetig ansteigenden Weg durch den Wald durchs sogenannte Tannenzapfenland nach Fischingen. Einige Pilger gönnten sich eine Erholung für ihre Füsse auf einem Barfusspfad am Wegesrand.
Im Kloster Fischingen wurden wir herzlich empfangen und bezogen unser gemeinsames Quartier im Pilgerzimmer Jakobus. Jede(r) fand ein passendes Bett in dem grossen Schlafsaal, der für 20 Pilger ausgestattet ist. Nach dem Abendessen mit einem feinen Pilgerteller und Pilgrimbier aus der Klosterbrauerei nahmen wir am Nachtgebet der Mönche teil und kamen zur Ruhe beim Psalmensingen. Wir liessen den Abend in der Lounge des Klosters ausklingen.
Nach einer etwas unruhigen Nacht im gemeinsamen Schlafsaal mit ungewohnten Geräuschen, nahmen wir am Morgengebet der Mönche teil. Mit einem feinen Zmorgen stärkten wir uns für den gemeinsamen Tag mit der Gruppe der Pfarreiwallfahrt. Pünktlich um 9.30 Uhr trafen die Wallfahrer mit einem Car von Bührerreisen unter der Leitung von Chauffeur Raymond Schneider, Pfr. Martin Stewen und Diakon Felix Zgraggen in Fischingen ein. Nach einer kurzen Kaffee- und WC Pause versammelten wir uns in der Iddakapelle für die gemeinsame Eucharistiefeier. Auch in diesem Gottesdienst standen das Leben der Heiligen Idda und das Pilgern im Vordergrund. Wir alle sind als Glaubende auf einem Pilgerweg des Vertrauens unterwegs und dabei kann uns die Legende der Heiligen Idda ermutigen, die ganz aus dem Vertrauen auf Gottes heilsames Wirken gelebt hat. Ihr Grab in der Klosterkirche ist ein Kraftort und besitzt heilende Kräfte. In dieser Hoffnung steckten viele Wallfahrende ihre Füsse in die Öffnung, die sich in ihrem Sarkophag befindet, und beteten um Stärkung.
Im Restaurant des Klosters genossen alle zusammen das feine Mittagessen und die lebendige Tischgemeinschaft. Einige nutzten die Zeit für Einkäufe im Klosterladen, bis wir wieder alle gemeinsam zur Klosterführung starteten. Von unserem Klosterführer Peter Rottmeier erfuhren wir viele interessante und spannende Informationen zur Geschichte des Klosters und erkundeten wunderschöne Räume in dem beeindruckenden barocken Klosterbau. Die Legende der Heiligen Idda rundete die Führung ab.
Noch versunken in die bewegte Geschichte fuhr uns unser erfahrener Chauffeur die schmale Strasse in einem waghalsigen Manöver zur Iddaburg hinauf. Dort erwarteten uns schon Diakon Felix Zgraggen, der sich zu Fuss zur Iddaburg aufgemacht hatte, und Sr. Maria Amadea für einen Impuls und Segen in der Wallfahrtskirche. Sie lebt dort als Einsiedlerin und kümmert sich um die Wallfahrer. Auch sie erzählte uns aus dem Leben der Heiligen Idda und ergänzte unser Bild dieser besonderen Frau mit berührenden Gedanken. Auf die Frage, ob die Legende der Heiligen Idda wahr sei, antwortete sie: «die Legende ist nicht wahr im Sinne, dass sie so passiert ist, aber sie ist wirklich.» Gott ist im Leben eines jeden Menschen wirksam.
Nach einem feinen Zvieri mit Toggenburger Öpfelflade mit Thurgauer Äpfeln machte sich die Wallfahrtsgruppe wieder auf den Heimweg nach Thalwil. Die Pilgergruppe begrüsste zuerst eine neue Pilgerin in ihrer Runde mit dem gemeinsamen Lied, der Pilgermuschel und dem Pilgerpass, bevor sie den steilen Weg hinunter Richtung Kloster Fischingen unter die Füsse nahm. Mit der Dunkelheit kamen wir im Kloster an. Auch am zweiten Abend genossen wir den feinen Pilgerteller mit einem Glas Pilgrimbier oder Iddawein.
Nach dem Morgengebet mit den Mönchen spendete Bruder Leo uns den Pilgersegen und überreichte uns ein Pilgerabzeichen des Klosters Fischingen. Beim Frühstück stärkten sich alle für die 3. Etappe nach Au, dann übers Hörnli nach Steg. Da bei diesem Wegabschnitt 500 Höhenmeter zu überwinden waren, entschieden sich 2 Pilgerinnen, im Kloster den Gottesdienst zu besuchen und danach nach Hause zu fahren. Nach einem gemeinsamen Morgenimpuls verabschiedeten wir uns voneinander und der Rest der Gruppe machte sich auf den Weg. Der Legende nach ist Idda diesen Weg jeden Tag in Begleitung eines Hirsches mit 12 Lichtern im Geweih von Au ins Kloster Fischingen zum Gottesdienst gegangen und wieder zurück.
In der Pfarrkirche St. Anna beteten wir zusammen Ps 121, in dem es heisst: «ich schaue auf zu den Bergen. Von dort kommt mir Hilfe.» Vor uns lag nun der Aufstieg zum Hörnli. Der Weg wurde immer steiler und führte uns durch leichten Nieselregen, eine herbstlich anmutende und neblig verhangene Landschaft. Wir bestaunten die Schönheiten am Wegesrand, ganze Kolonien von Pilzen, die bunten Blätter leuchteten durch den Nebel. Irgendwann kamen wir an einer Weide mit Ziegen vorbei, die uns stumm betrachteten. Je höher wir kamen, desto mehr wuchs unsere Vorfreude auf ein feines Zmittag. Wegen des Nebels war der Ausblick vom Gipfel nur begrenzt, trotzdem machten wir voll Freude ein Gipfelfoto und gönnten uns danach eine Pause im Gasthaus. Wie wir hatten sich trotz des Nebels einige Menschen auf den Weg zum Hörnli gemacht und genossen die heimelige Atmosphäre in der Gaststube.
Wir machten uns bald auf zum letzten Wegabschnitt nach Steg. Meist führte der Weg durch Wald, manchmal ergab sich auch ein Ausblick ins Tösstal. Kurz vor dem Ziel kamen wir zu einem kleinen Holzsteg. Wir blieben davor stehen und überschritten bewusst diese Schwelle vom Pilgern zurück in den Alltag. Was nehmen wir mit aus diesen 3 Pilgertagen? Was hat uns bestärkt unseren Weg zu gehen? Noch einmal sangen wir unser Lied «Ich bin berufen, meinen Weg zu gehen». Wie Idda sind auch wir berufen trotz Schwierigkeiten und Herausforderungen, unseren je eigenen Weg zu gehen. Vielleicht können wir wie sie erfahren, dass Gott uns immer begleitet.
Ich danke allen Mitpilgernden für ihr Vertrauen. Besonders danke ich Claudia Haltenberger für die Organisation mit dem Kloster Fischingen, und dass wir diese Pilgertage und die Wallfahrt zusammen vorbereiten, organisieren und erleben konnten. Herzlichen Dank auch an Pfarrer Martin Stewen für den schönen Pilgergottesdienst und seine Reiseleitung der Pfarreiwallfahrt und Diakon Felix Zgraggen für den ermutigenden Pilgersegen auf der Iddaburg.
Bon camino für die Pfarrei Thalwil.
Tanja Haas



















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