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Ein Abend mit Sr. Veronika

 

Was trägt, wenn das Leben herausfordert?



Noch lag die grosse Hitze über dem Zürichsee, als sich am Abend des 14. August die Türen des Pfarreisaals von St. Felix und Regula öffneten. Würden bei diesen Temperaturen überhaupt Gäste kommen? Die Sorge war unbegründet: Schon bald mussten zusätzliche Stühle aufgestellt werden. Über 40 Interessierte aus der Pfarrei und der Umgebung wollten Schwester Veronika und ihre bewegte Lebensgeschichte kennenlernen.

Einigen war sie bereits aus dem Podcast «Laut + Leis» von kath.ch oder aus ihrer Tätigkeit als Seelsorgerin in der Bahnhofkirche Zürich bekannt. Eingeladen hatten die Pfarreiräte von Rüschlikon und Thalwil zu einem Abend unter der Frage:


Was trägt in schwierigen Situationen?


Dass dies kein gewöhnlicher Vortrag werden würde, zeigte sich sofort. Auf zwei Tischen hatte Schwester Veronika zahlreiche Farbkarten ausgelegt. Gleich zu Beginn durfte jede und jeder eine Farbe auswählen und sich mit der Person nebenan darüber austauschen, weshalb gerade diese Farbe ansprach. So waren die Gäste innerhalb weniger Minuten mitten im Thema – und miteinander im Gespräch. Später führte sie dazu aus, dass sie selbst Synästhetikerin ist. Also Gedanken und Wörter immer mit Farben verbindet.



Von dort aus nahm Schwester Veronika die Anwesenden mit auf ihren Lebensweg: von prägenden Erfahrungen ihrer Kindheit über die Suche nach der eigenen Berufung bis nach Bolivien. Dort arbeitete sie gemeinsam mit einem Priester in einer entlegenen, damals kaum erschlossenen Region. Sie lernte die Sprache der Menschen und teilte ihren Alltag unter Bedingungen, die aus Schweizer Sicht kaum vorstellbar sind. Dabei ging es ihr nie darum, von aussen etwas «zu bringen», sondern den Menschen wirklich zu begegnen und mit ihnen zu leben.


Ein tiefer Einschnitt war der unerwartete Tod ihres Priesterkollegen bei einem Bergunfall in der Schweiz. Schwester Veronika kehrte zurück und brauchte zunächst eine lange Zeit der Stille, um ihre eigene Spur neu zu finden. Später führten ihre Wege unter anderem in die Gefängnis- und jetzt Bahnhofseelsorge. Immer wieder, so wurde an diesem Abend deutlich, bedeutete Glauben für sie nicht, fertige Antworten zu besitzen, sondern sich neu auf den Weg zu machen – Gott in den Menschen suchen. Ihre Lebensform ist die einer geweihten Jungfrau. Der Schleier macht sie erkennbar.


Mit grosser Offenheit, Ernsthaftigkeit und Humor erzählte Schwester Veronika. Und offenbar hatte sie einen Nerv getroffen: Nach dem offiziellen Ende blieben viele Gäste noch lange, fragten weiter. Erst gegen 23 Uhr verliessen die Letzten den Pfarreisaal.


Ein Abend, der zeigte, wie berührend und anregend eine Lebensgeschichte sein kann. Dies als Impuls, unseren eigenen Weg als einmalig und ebenso spannend neu zu betrachten. Herzlichen Dank an Schwester Veronika – und an den Pfarreirat für die Initiative zu dieser besonderen Begegnung.


Text und Fotos: Sabine Zgraggen



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Gast
vor einem Tag
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Solche Glaubenszeugnisse geben viel Kraft! Weiter so und Danke!

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