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Ein Glas Wasser

und die Balance des Glaubens

Während derzeit ein Hitzerekord nach dem anderen in der Schweiz gemeldet wird, erhält ein schlichtes Glas Wasser eine ganz neue Bedeutung. Man ist dankbar, wenn das kühle Getränk griffbereitsteht oder einem jemand einen Becher Wasser reicht. Genau dieses unscheinbare Bild wurde heute – passend zur hochsommerlichen Wärme – auch zu einem Schlüssel für das Evangelium.

Im Sonntagsevangelium, Mt 10,37-42, spricht Jesus überraschend von einem Becher frischen Wassers: “Und wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – Amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen.” Mitten zwischen sehr ernsten Worten steht dieses kleine, hoffnungsvolle Bild einer einfachen Geste der Menschlichkeit.


Aushilfspriester Martin Stewen machte gleich zu Beginn seiner Predigt darauf aufmerksam, dass es Bibelstellen gibt, die uns zunächst querstehen und die man deshalb nicht vorschnell übergehen sollte. Tatsächlich fordert Jesus seine Jüngerinnen und Jünger heute heraus: Die Nachfolge verlangt Prioritäten. Sie fordert dazu auf, das Kreuz auf sich zu nehmen und Christus an die erste Stelle zu setzen. Worte, die zunächst schwer wiegen.

Doch bedeutet das, dass christlicher Glaube vor allem Verzicht, Schwere und Leid meint? Oder darf Glaube nicht ebenso Freude, Leichtigkeit und Lebenslust ausstrahlen?


Stewen griff dafür ein eindrückliches Bild auf: Ein Flugzeug fliegt nur dann sicher, wenn die Passagiere gut verteilt und beide Tragflächen im Gleichgewicht sind. So sei es auch im Glauben. Auf der einen Seite stehen Freude, Dankbarkeit und das Glück, aus der Verbundenheit mit Christus zu leben. Auf der anderen Seite gehören auch Herausforderungen, Enttäuschungen und die Kreuze des Lebens dazu. Diese müsse man gar nicht suchen – sie begegnen jedem Menschen früher oder später.



Entscheidend sei deshalb nicht, eine der beiden Seiten auszublenden, sondern die Balance zu halten. Christus selbst sei dabei der Pilot. Wer auf ihn vertraut, könne sowohl die Freude bewahren als auch schwierige Zeiten tragen, ohne daran zu zerbrechen.


Zu Beginn der Predigt erinnerte Stewen zudem an eine bekannte Bemerkung Friedrich Nietzsches, der den Christinnen und Christen einst vorwarf, sie müssten eigentlich erlöster aussehen, wenn ihre Botschaft wirklich eine Frohe Botschaft sei. Auch dieser Gedanke regte zum Nachdenken an: Christlicher Glaube lebt weder von oberflächlicher Fröhlichkeit noch von einer ausschliesslichen Leidensfrömmigkeit. Er findet seine Mitte dort, wo Freude und Kreuz gemeinsam ihren Platz haben.


Dass die sommerliche Hitze auch ganz praktisch spürbar war, zeigte sich während des Gottesdienstes: Zwischendurch griff der Prediger zu einem Glas Wasser.


Diakon Felix Zgraggen nahm diesen Moment am Ende der Feier mit einem Augenzwinkern auf und lud alle Gottesdienstbesucherinnen und -besucher zu einem frischen Becher Wasser ins Foyer ein. Die Einladung sorgte für ein Schmunzeln – und wurde gerne angenommen. Noch einige Zeit blieben Menschen beisammen, kamen miteinander ins Gespräch und genossen die wohltuende Erfrischung.


Ein Glas Wasser – klein in der Geste, gross in der Wirkung.


Fotos und Text: Sabine Zgraggen

 

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