Frühling und die stille Zeit
- Katholische Kirche Thalwil

- vor 19 Stunden
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Alle Menschen freuen sich über die aufblühende Natur. Tausende kleiner, farbiger Blüten schiessen scheinbar mühelos aus der Erde. Kaum jemand kann sich dieser Schönheit entziehen. Alles strebt nach oben – zur Sonne, zum Licht.
Es sind die Vorboten von Ostern. Und ob man nun religiös ist oder nicht: Viele ahnen doch, dass diese Schönheit Ausdruck einer unendlichen Grosszügigkeit, Liebe und Geduld Gottes sein könnte. Verschwenderisch, offen für alle. Jeder, der sich freuen möchte, kann in diesen Tagen Hoffnung, Glück und Schönheit finden.

Gleichzeitig tauchen wir in der Kirche immer tiefer in die Geheimnisse von Gründonnerstag und Karfreitag ein, die in wenigen Wochen gefeiert werden. Der Kirchenraum ist jetzt bewusst schlicht gehalten – so leer wie selten im Jahr. Vielleicht fällt uns gerade dadurch auf, welche üppige Blumenpracht wir sonst im Altarraum geniessen dürfen.
Nur ein einfaches Gesteck ohne frische Blumen steht vorne. Ein schlichtes Weidenkreuz lädt zum Innehalten ein. Es erinnert an die karge, noch brachliegende Natur – an jene Zeit, in der das Leben scheinbar ruht und doch schon auf die Auferstehung zugeht.
Auch die Liturgie ist entsprechend schlicht. Kein fulminantes Orgelspiel zum Einzug, kein Halleluja. Stattdessen ernsthafte Worte aus den Schriftlesungen, die dazu einladen, still zu werden und in sich hineinzuhören.

Am 7. März lud der Claretiner Pater Wolfgang mit tiefer Stimme dazu ein, über Missverständnisse und Fehlkommunikation zwischen Menschen nachzudenken. Als Beispiel diente ihm das Evangelium von der Samariterin am Jakobsbrunnen.
Normalerweise sprechen Juden und Samariter nicht miteinander. Doch diese Frau trifft Jesus am Brunnen, als sie am Nachmittag Wasser holen will. Es hatte wohl seine Gründe, dass sie erst zu dieser ungewöhnlichen Zeit kam – in der Hitze des Tages war der Brunnen meist leerer, und sie stand ohnehin im Ruf einer Aussenseiterin.
Die Kommunikation zwischen Jesus und der Samariterin verläuft zunächst aneinander vorbei, wie Pater Wolfgang zeigte. Die Frau denkt ganz praktisch: Sie will Wasser holen und ihren Alltag bewältigen. Jesus dagegen spricht plötzlich vom „lebendigen Wasser“, vom Wasser des ewigen Lebens, von einem Durst, der für immer gestillt werden kann.
Trotzdem entsteht ein Dialog. Und genau dort gelingt es Jesus, Worte zu sprechen, die sie im Innersten treffen.

Er fragt sie nach ihrem Mann. Sie antwortet: „Ich habe keinen.“ Jesus bestätigt ihre Ehrlichkeit – und sagt zugleich, dass sie bereits fünf Männer gehabt habe und keiner ihr wirklicher Mann sei. Woher weiss er das? Woher kommt dieser Blick in ihr Leben?
Die Begegnung trifft sie so tief, dass sie in ihre Stadt zurückläuft und allen davon erzählt: Da ist einer, der mehr weiss. Einer, der mein Leben kennt. Einer, der vielleicht mehr ist als nur ein Prophet.
Durch ihr Zeugnis werden viele neugierig. Sie wollen Jesus selbst sehen und hören. So beginnt sich die frohe Botschaft zu verbreiten.
Pater Wolfgang wollte damit zeigen, wie oft Menschen aneinander vorbeireden. Und dass es letztlich den Heiligen Geist braucht, damit wir wieder auf dieselbe Wellenlänge kommen.
Der schlichte Gottesdienst klang mit Musik von Bach aus. Es war mucksmäuschenstill in der Kirche. Nachdenklich und gestärkt gingen wir hinaus in den frühlingshaften Abend.
Fotos: Sabine Zgraggen




























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